Loslassen und Leben aufräumen

 

Was mit uns geschieht, wenn wir die Wohnung unserer Eltern auflösen

 

Schon bald nach dem Tod der Mutter oder des Vaters müssen
die »Kinder« die Wohnung oder das Haus des Verstorbenen
– diesen besonderen Ort der Erinnerung – auf- und
ausräumen: ein schwieriger Prozess des Loslassens. Die
Erzählungen der Frauen und Männer, die Christina Erdkönig
dazu befragt hat, zeigen, wie vielschichtig das Geschehen
sein kann und sie geben Betroffenen hilfreiche Hinweise
und Orientierung. Der Psychologe Emir Ben Naoua erläutert
zudem, wie man mit den oft verwirrenden Gefühlen
umgehen kann.

 

 

Kreuz Verlag

Format: 12,5 x 20,5 cm, 160 Seiten, Kartoniert

ISBN 978-3-451-61248-0

€ 14,99

www.verlag-kreuz.de

Blick ins Buch - Leseprobe

 

Christina Erdkönig über ihr Buch

 

Ich habe das Buch geschrieben, das ich damals gerne gelesen hätte, als ich mein Elternhaus leerräumte: Es ist ein Ratgeber, der Mut machen soll.
Das Buch „Loslassen und Leben aufräumen“ ist aus meiner eigenen Biographie heraus entstanden. 2011 musste ich zusammen mit meinen Geschwistern das Haus meiner Eltern ausräumen. Sie waren beide kurz hintereinander verstorben.
Emir Ben Naoua ist  mein Co-Autor.  Er ist Diplom Psychologe und Psychotherapeut. Seine Texte schließen jedes Kapitel ab und geben ganz wichtige Hinweise aus der Sicht des Fachmanns. Was passiert mit uns emotional? Warum empfinden wir Schuld? Wie können wir negativen Gefühlen begegnen? Ben Naoua gibt dem Leser aus seiner eigenen Praxis Beispiele und Übungen mit auf den Weg.

Emir Ben Naoua >> www.psychotherapie-stuttgart24.de

 

 Interview mit Christina Erdkönig

 

Warum haben Sie das Buch „Loslassen und Leben aufräumen“ geschrieben?

 

Als ich nach dem Tod meiner Eltern ihr Haus ausräumen musste, war mir nicht bewusst, wie schwer mir das fallen würde. Wie schwer es ist, die Dinge von Vater und Mutter- egal ob eine alte Teekanne oder ein Fotoalbum- noch einmal in die Hand zu nehmen. Es war wie ein zweiter intensiver Abschied. Das Thema hat viele sehr berührt, wenn ich ihnen davon erzählt habe. Ich habe dann noch eine längere Hörfunksendung für SWR2 zu dem Thema gemacht. Da habe ich sehr viel positive Resonanz bekommen. Dieses Thema- das Auflösen des Elternhauses kam mir vor wie ein Tabu, dem sich noch keiner angenommen hat. Da es dazu noch kein Buch gab, war die Idee zu „Loslassen und Leben aufräumen“ geboren.

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In dem Buch lassen Sie auch Ihre persönlichen Erfahrungen einfließen, aber es lebt vor allem auch von den Erfahrungen ihrer 14 Gesprächspartner. Wen haben Sie genau befragt?

 

Es sind 7 Männer und 7 Frauen unterschiedlichster Herkunft und Prägung, die ihr Elternhaus auch in unterschiedlichen Lebensphasen ausräumen mussten. Joachim zum Beispiel hatte sehr kleine Kinder und stand in seinem Alltag mit Familie und Job unter enormen Druck. Ähnlich war es bei Rettungssanitäter Thomas, der die Wohnung seines Vaters in nur zwei Wochen leerräumte. Rolf dagegen war bereits fast 60, als er die Villa seiner Eltern auflöste. Er konnte sich mehr Zeit nehmen, sich stärker auf den Prozess einlassen. Dann sind da zum Beispiel noch Claudia und Clara. Bei Claudia kam es zu starken Spannungen mit der Schwester, als das Haus des Vaters leergeräumt wurde. Bei Clara waren es Missverständnisse mit dem Bruder. Diese Phase im Leben stellt die Leute vor eine große Herausforderung und ist emotional häufig sehr aufreibend.

Ich war sehr überrascht, wie offen meine Gesprächspartner über ihre Erfahrungen gesprochen haben. Ja, mir schien es schon fast, als wären sie froh, endlich einmal darüber reden zu können. Denn wie ich schon gesagt habe, das Thema ist ein Tabu.

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Was ist das Hauptziel des Buches?

 

Menschen in dieser schwierigen Lebensphase zu helfen, ihnen Mut zu machen. Der Prozess des Räumens in der Wohnung der Eltern kann eine echte Chance sein. Viele meiner Gesprächspartner haben ihre Beziehung zu den Eltern noch einmal neu reflektiert, haben beim Ausräumen Neues über Vater und Mutter entdeckt. Auch kann man sein eigenes Leben, vor allem die Kindheit nochmal Revue passieren lassen. Jedes Kapitel der zehn Kapitel wird von einer psychologischen Betrachtung abgeschlossen. Diplom-Psychologe Emir Ben Naoua aus Stuttgart gibt hilfreiche Tipps zu jedem Thema, z.B. bei Schuldgefühlen rät er zum Schreiben eines imaginären Briefs, um dann  vielleicht ohne schlechtes Gewissen den alten Sessel des Vaters entsorgen zu können.

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